
Liebe Leserin, lieber Leser,
ich bin Mellani (Heidekrüger), 45 Jahre, voller Lebensfreude, Optimismus und Tatendrang – doch das war nicht immer so. Heute lebe ich ein Leben, in dem ich mich in meinem Körper angekommen fühle, trotz meiner Diagnose Lipödem. Als intu.lymphcoach begleite ich Frauen dabei, ihren eigenen Weg zu mehr Selbstakzeptanz und Lebensfreude zu finden. Doch meine Reise hierher war alles andere als leicht – sie war geprägt von Selbstzweifeln, Schmerz und der Suche nach Antworten.
In meinem Beitrag berichte ich davon – und von meiner Reise zu mir selbst.
2019 – ein Jahr, das mein Leben auf den Kopf stellte. Nach einem schweren Arbeitsunfall war ich plötzlich gezwungen innezuhalten. Bis dahin war ich ständig in Bewegung, stets auf der Suche nach dem nächsten Ziel, dem nächsten Erfolg. Doch nun lag ich da, körperlich und seelisch erschöpft. Es war, als hätte man mir eine Notbremse verordnet. Und obwohl dieser Unfall zunächst wie eine Katastrophe erschien, wurde er zu einem Wendepunkt in meinem Leben.
Ich hatte nie wirklich innegehalten. Ich war ständig im Tun, angetrieben von einem inneren Drang, immer mehr zu erreichen, zu leisten, mich weiterzuentwickeln. Doch dieser Unfall zwang mich dazu, mich mit mir selbst auseinanderzusetzen, ohne Ausweichmanöver. Ich musste mich meinen Problemen stellen, die zum Teil tief in mir verborgen lagen – und das war der Moment, in dem mein Leben begann, sich zu verändern.
Während ich gezwungenermaßen ruhte, begann ich, mein Leben zu reflektieren. Es war ein schmerzhafter Prozess, aber auch ein notwendiger. Ich erkannte, dass ich mich jahrelang selbst überfordert hatte – nicht nur physisch, sondern auch emotional. Mein Körper, insbesondere durch das Lipödem, hatte lange Zeit Signale gesendet, die ich ignorierte. Ich dachte, wenn ich nur hart genug an mir und meinem Körper arbeite und die richtige Diät finde, würde ich das Problem schon lösen. Doch die Realität war eine andere: Das Lipödem ließ sich nicht durch Diäten oder unzählige Sporteinheiten verschwinden. Diese Krankheit war kein Zeichen von Schwäche oder mangelndem Willen – sie war Teil von mir und ich musste lernen, sie zu akzeptieren.
Die Ärzte, die ich im Laufe der Jahre konsultiert hatte, gaben mir oft den Rat, mein Gewicht zu reduzieren und so den Druck von der Krankheit zu nehmen. Doch niemand sprach wirklich über die seelische Belastung, die mit Lipödem einhergeht. Die Blicke von außen, die ständigen Kommentare und dieser innere Kampf, machten die Krankheit zu meinem ständigen Begleiter – nicht nur körperlich, sondern auch in meinem Kopf. Doch während dieser Auszeit begann ich zu begreifen, dass es mehr brauchte, als nur die Veränderung meines Körpers. Es ging darum, mich selbst zu verstehen, die Krankheit anzunehmen und auf eine neue Art und Weise mit mir umzugehen.
Diese Erkenntnis traf mich tief, aber sie führte mich zu einer viel größeren Einsicht: Akzeptanz. Ich begann, mich mit meinem Körper auseinanderzusetzen, ihn zu verstehen und zu respektieren, anstatt ihn ständig zu bekämpfen. Durch diese Auseinandersetzung mit mir selbst, entdeckte ich dass der Umgang mit Lipödem weit mehr erfordert als körperliche Maßnahmen. Es geht auch um eine seelische Selbstannahme. Es war ein langer Prozess, doch als ich diese Erkenntnis akzeptierte, öffnete sich für mich eine Tür zu mehr innerer Freiheit und Frieden. Der wahre Weg zur Selbstannahme liegt nicht in der Diät oder der Bekämpfung von Symptomen, sondern in der Akzeptanz und im respektvollen Umgang mit dem eigenen Körper. Erst dann können wir die Reise zu uns selbst wirklich antreten.
In dieser Zeit des Innehaltens begann ich zu erkennen, wie sehr ich meinen Körper in der Vergangenheit eigentlich bekämpft hatte. Ich fühlte mich oft von der Gesellschaft unter Druck gesetzt, einem idealisierten Bild zu entsprechen, das nie meinem wahren Selbst entsprach. Doch dieser Schmerz, die ständigen Anstrengungen und die Selbstkritik, die mich jahrelang begleiteten, machten mir eines klar: Es war Zeit loszulassen. Die unrealistischen Erwartungen, die ich an mich selbst stellte und die äußeren Stimmen, die mich stets in eine Richtung drängten, die nicht zu mir passte.
In der Stille, die mir der Unfall brachte, fand ich den Mut, mich selbst zu hinterfragen und zu akzeptieren. Diese Reise war alles andere als einfach – sie verlangte von mir, mich meinen eigenen Unsicherheiten und Ängsten zu stellen. Aber mit jedem Schritt, den ich tat, wuchs meine innere Stärke. Die Dunkelheit, die mich einst umhüllte, begann zu weichen und ich konnte langsam das Licht sehen – das Licht der Selbstliebe, der Akzeptanz und der Freiheit.
Ein entscheidender Teil meines Weges war die Integration von Bewegung und einer ausgewogenen Ernährung in meinen Alltag. Nordic Walking und Pilates wurden nicht nur zu körperlichen Aktivitäten, sondern auch zu einem Mittel, meinen Geist zu beruhigen und meine Energie wiederzufinden. Diese Praktiken halfen mir, ein neues Verhältnis zu meinem Körper aufzubauen und ihn als Quelle der Stärke und nicht der Schwäche zu sehen.
Doch der Weg führte mich auch weit über körperliche Bewegung hinaus – es war auch eine Reise der inneren Transformation. Über Jahre hatte ich mich in den Fängen von Diäten und ungesunden Essgewohnheiten verloren. Essen war für mich lange Zeit eine Art Zwang, etwas, das ich kontrollieren musste, um ein bestimmtes Körperbild zu erreichen. Die ständige Angst vor der „nächsten Diät“ und die innere Stimme, die mich ständig verurteilte, schienen mich in einem unaufhörlichen Kreis zu halten.
Der Wendepunkt kam, als ich begann, das Thema Ernährung aus einer neuen Perspektive zu betrachten. Ich lernte, dass wahre Ernährung nicht aus Regeln und Verboten besteht, sondern aus dem Hören auf meinen eigenen Körper – was er braucht, was ihn nährt und was ihn stärkt. Es war der Moment, in dem ich beschloss, mich von der „Diätmentalität“ zu verabschieden und einen ganzheitlichen Ansatz für meine Gesundheit zu wählen.
Es war kein einfacher Prozess, aber der Schritt hin zu einem Leben ohne Diäten war unglaublich befreiend. Ich ließ die ständige Angst vor dem Essen hinter mir und begann, mich auf die Freude am Essen zu konzentrieren – ohne schlechtes Gewissen, ohne das Gefühl, etwas zu verpassen oder falsch zu machen. Meine Beziehung zum Essen wandelte sich von Stress zu Genuss und Selbstfürsorge. Endlich war es möglich, meinen Körper nicht mehr als „Feind“ zu sehen, sondern als Partner, mit dem ich gemeinsam in Harmonie leben wollte.
Heute, wenn ich auf diese Zeit zurückblicke, sehe ich nicht nur die Dunkelheit, sondern vor allem das Licht, das daraus entstanden ist. Mein Arbeitsunfall war der Weckruf, den ich brauchte, um mein Leben zu verändern. Er führte mich zu einer Reise der Selbstakzeptanz und zu einem neuen Lebensabschnitt, der von innerer Stärke geprägt ist. Der Schmerz und die Zweifel, die mich anfangs quälten, verwandelten sich nach und nach in viel Dankbarkeit zu mir selbst um. Es war, als hätte der Unfall mich gezwungen, in mein Inneres zu schauen und alles, was ich über mich selbst dachte, zu hinterfragen.
Das Licht, das aus der Dunkelheit kam, war die Erkenntnis, dass wahre Veränderung nur von innen heraus geschehen muss. Ich begann, meinen Körper nicht mehr als Feind zu sehen, sondern als Partner, mit dem ich im Einklang leben wollte. Ich akzeptierte, dass mein Körper nicht perfekt war – aber er war auch nicht der Feind, den ich über Jahre hinweg gesehen hatte. Diese Erkenntnis war der erste Schritt in eine neue, kraftvolle Richtung.
Der Weg der Akzeptanz war nicht nur eine geistige, sondern auch eine körperliche Reise. Ich begann, mich intensiv mit meiner Ernährung auseinanderzusetzen. Statt mich von Diäten und ständigen Einschränkungen leiten zu lassen, lernte ich, meinem Körper zuzuhören und ihm das zu geben, was er wirklich brauchte. Gleichzeitig integrierte ich Bewegung in meinen Alltag – ohne Zwang, sondern als Ausdruck der Liebe und Achtsamkeit für meinem Körper. Ich fand eine neue Balance und erkannte, dass wahre Veränderung von innen kommt – nicht durch eine schnelle Lösung oder eine Diät.
Es war befreiend zu erfahren, dass ich mich nicht mehr für meine Krankheit entschuldigen musste. Ich begann zu verstehen, dass Lipödem ein Teil von mir ist, aber nicht das, was mich definiert. Vielmehr bin ich die Summe all meiner Erfahrungen und der Liebe, die ich in mich selbst investiere.
Dieser Weg hat mich gelehrt, dass wahre Veränderung oft in den schwierigsten Momenten beginnt. Es sind genau diese herausfordernden Phasen, die uns zu unserem authentischsten Selbst führen können – wenn wir bereit sind, uns ihnen zu stellen und die Lektionen daraus zu lernen. In meinem eigenen Prozess habe ich erfahren, dass Transformation nicht über Nacht geschieht, sondern durch die Akzeptanz und das Verständnis für den eigenen Körper und die eigene Seele. Als zertifizierte Ernährungsberaterin (A-Lizenz), Coach für intuitive Ernährung und Nordic-Walking-Trainerin, mit pädagogischer Eignung, sowie angehende Pilatestrainerin und Breathwork-Facilitator, habe ich das nötige Wissen und die Erfahrung, um Betroffene auf ihrer eigenen Reise zu begleiten. Heute unterstütze ich andere Betroffene dabei, ihren eigenen Weg zu mehr Leichtigkeit, Selbstliebe und Lebensfreude zu finden – unabhängig von gesellschaftlichen Normen oder Diagnosen. Es geht darum, sich von äußeren Maßstäben zu befreien und den eigenen Weg der Heilung zu finden, Schritt für Schritt, mit Akzeptanz und Selbstfürsorge.
Eine der wertvollsten Erkenntnisse auf meinem Weg war die Entdeckung, dass ich nicht alleine bin. Zuerst fühlte ich mich oft isoliert, als würde niemand verstehen, was ich durchmache. Doch der Austausch mit anderen Betroffenen öffnete mir die Augen: Wir teilen ähnliche Erfahrungen, Ängste und Hoffnungen. Diese Verbindung hat mir gezeigt, wie wichtig es ist, sich gegenseitig zu unterstützen und zu inspirieren. Jede und jeder von uns kämpft mit eigenen Herausforderungen, aber in der Gemeinschaft finden wir Stärke und Trost. Gemeinsam können wir uns voranbringen, uns stärken und die Herausforderungen des Lipödems gemeinsam bewältigen. Wir sind nicht allein, und dieser Zusammenhalt ist eine der größten Ressourcen auf unserem Weg.
Ich freue mich auf den weiteren Austausch in der Community – wenn du Fragen an mich als Coachin oder Interesse an einer Zusammenarbeit hast, melde dich gerne!
Bis dahin alles Liebe,
Eure Mellani
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